First Draft von »Libertas« fertig

Seit Februar bin ich in der Karibik, auf Grenada, wo ich meinen Abenteuerroman fertig schreiben wollte, was tatsächlich geklappt hat. Und zwar trotz dem Umstand, dass man hier drei, vier Stunden mehr Schlaf pro Nacht braucht, weil dir die Hitze die Energie aus dem Körper saugt, als wärst du eine verdammte, kosmische Riesenbatterie. Zwei Tage vor dem Rückflug in die Schweiz habe ich den letzten Satz geschrieben. Womit natürlich der Roman nicht wirklich fertig ist ("The first draft of everything is shit."). Aber fertig genug, um weiter zu kommen: Ich suche nun Beta-Reader. 

Hier ist der Pitch der 250.000 Zeichen-Story:

Aus einer fragwürdigen Wette eines sorglosen Computerexperten wird die selbstmörderische Flucht vor den eigenen Verbündeten - mit einer 100-Millionen-Dollar-Netzwerktechnologie auf dem Laptop, gefesselt an eine Frau ohne Vergangenheit.

 

 

 

 

 

Ponzi-Plan

Die valleyforge-Page ist neu!

Heute Nacht um 3, ich muss Nachts mehrfach raus -ist in meinem Alter normal - ging mir ein Licht auf.:

VEB FILm Leipzig. Verkörpert durch den harmlosen ewigen Informatikstudent Stefan Kluge, der sich sich selber gerne 'Cesar - der Auserwählte nennt' und seit Jahren auf kindlich naive Art seinen Gangsterstyle pflegt, dieser Kollege und Freund verkauft(!) und vertreibt treuhänderisch kommisarisch meine Musik. Musik, Geschaffen mit göttlicher Hilfe für die 'Filmwerke' für VEB.

"Alter, die Geschäfte gehen schlecht. Musik wird nicht mehr gekauft. Deine schon mal gar nicht. Sorry nur Kosten. Hab nix für Dich. Viel Glück Dir weiter Alter. Bleib dran" 

Das sind die mails , die ich seit Jahren, bekomme. 2008 habe ich mal einenScheck über 14 Euro bekommen. Na ja , Bitterfeld, VEB , Independent Label. Informatikstudent. Ok...

Und So eine ähnlich lautende mail bekam ich vorgestern wiedermal, Anhang mit dem Foto und der Fussnote :

"Alter, ich hab wieder nix für dich, aber viele Grüße aus Grenada. Mach hier ein paar Monate Chill Auszeit. Hier hinten auf dem Rennboot, das bin ich. Hau rein. Man sieht sich dann, wenn Du willst , ab Juni wieder in meiner neuen Hütte in Davos. Komm doch mal auf ein Kaffee vorbei. "

Tick tack tick tack.... Rennboot ? Grenada ? Davos ? Wieso nicht mehr Bitterfeld ? Wo liegt denn Davos ? ... 

BBC Beach, Grenada, 17.3.2015

BBC Beach, Grenada, 17.3.2015

Eisenhertz SynthPop: Musikvideo zur letzten Droge

Eine Sommernacht, 2005 oder 6: Zwei Cops hatten uns in Dresden auf der Bergstrasse angehalten, und zwar genau hier.  Das ist ein paar hundert Meter nach einer fiesen Kurve, die auf eine steile Abfahrt folgt, in der man mit dem Longboard locker 80 Sachen draufkriegt. Was zwei unserer Jungs auch gemacht haben, einer davon unser Stuntman der Droge . Ich selbst bin im Auto mit hinterher gefahren, zum zweiten Mal in Folge und genau das war das Problem. Ein Anwohner hatte die Bullen gerufen, und die kamen auch prompt und warteten unten. Einer unserer Boarder konnte noch abhauen und sein Gras in einen Busch schmeissen, aber unseren Stuntman hatten sie hochgenommen. Ich hatte die Abfahrten natürlich gefilmt, aus der Dachluke unseres alten Passats heraus. Die Cops wollten also meine Kamera. Und um die Sache zu entschärfen, hatte ich die auch rausgerückt. Aber nicht, ohne vorher auf REC zu drücken.  

An der Stelle kommt Eisenhertz ins Spiel: Ich wollte meine Kamera wieder haben, aber die Cops waren inzwischen damit im Streifenwagen verschwunden und hatten sich unwissentlich selbst gefilmt. Bis sie es dann doch bemerkt hatten. Danach wollten die Cops sie aufs Verrecken nicht mehr hergeben. Es war Samstag Nacht halb Drei und der Einzige, der mir helfen konnte, war mein Kumpel bei Eisenhertz. Der nämlich Anwalt ist. Er war gerade mit einem Gig in Halle fertig, als er ans Telefon ging. Dann stritt er sich eine Weile mit unseren Bullen rum, bis wir schließlich die Kamera wieder hatten. Allerdings ohne Tape. Das Tape kam Wochen später per Post - sie hatten den kompletten Downhill gelöscht, wie auch den Downhill vom Vortag. Immerhin blieb es dabei, ich schätze die Sache ist also gut ausgegangen. Sogar das Gras hatten wir wiedergefunden.

Die SynthPop-Band Eisenhertz aus Halle hat immer viel mit unserem Footage gearbeitet. Das ist der Kurzfilm »Deine Sinne«

Meine Interpretation der Droge (Spoiler!)

Wenn ich hier über die letzte Droge schreibe, dann geht es um eine Schnittfassung von 2010. Und damit um eine Version, die man eigentlich beim einmaligen Sehen nicht verstehen kann.

Die Ursache liegt wahrscheinlich u.a. darin, dass sich das ursprüngliche Drehbuch beim Dreh nicht verwirklichen ließ und damit viele Dialoge und Anspielungen, die eventuell Licht ins Dunkel gebracht hätten, nicht mehr vorkommen. Man kann diese Version derzeit als eine Art rauschhaftes Brainwashing konsumieren, für alle die, die sich aber darüber ärgern und fragen: "Was wollte uns der Autor damit sagen", folgt hier meine Interpretation dieses verwirrenden Opus.

Kurzfassung: Der Film handelt von dem jungen Wissenschaftler Stefan, der sich auf einen Drogentrip mit der südamerikanischen Wunderdroge ayahuasca begibt, dabei sein Gehirn mit autonomen Computersystemen künstlicher Intelligenz vernetzt, dabei unter fortschreitenden Drogeninjektionen verwirrende und gleichzeitig bewusstseinserweiternde Erfahrungen macht und sich am Schluss der immer auswegloser werdenden Situation durch den Tod entzieht.

Struktur: Der Film spielt auf mehreren Ebenen, die immer wieder abwechselnd auftauchen. Die Rahmenhandlung bildet dabei die Drogen-Selbst-Verabreichung in Stefans Computerlabor. Hier wird auch immer wieder Stefans tatsächlicher Gesundheitszustand deutlich, während er in den Drogenwelten die chaotischsten Erfahrungen macht.
Aufgrund des Drogeneinflusses in Kombination mit der Beeinflussung durch die Computernetze durchlebt Stefans Gehirn mehrere andere Welten. Eine davon stellt eine (teilweise verfremdete) Erinnerung an die Suche nach "der Droge" in Südamerika zusammen mit 2 Kumpels dar. Die Suche geht über Berge, das Amazonasdelta, eine Inkastadt, einen ausgetrockneten Salzsee bis zu einer Höhle, wo am Feuer dann die Droge abgefüllt werden kann. Diese Welt kann zweit-realste betrachtet werden.

Als rauschhaft und hochgradig künstlich erscheinen die folgenden Welten. In Ihnen treten Figuren auf, die eigentlich in Stefans Computer als Software zum Leben erweckt wurden und jetzt unter dem Drogeneinfluss in Stefans Bewusstsein als "Softwareagenten" treten.

Das Krankenhaus: Frau Dr. Eudemonia versucht mit klassischen medizinischen Mitteln Stefan am Leben zu halten. Ihre Krankenschwester und ein Pfleger halten dagegen.
2 Neurologen versuchen, das Denkmuster von Stefan zu ergründen.
Die Nachtwelt: Immer und immer wieder fahren Stefan und seine 2 Kumpels Matze und Martin (welche diesmal eher Software-Versionen ihrer Südamerika-Vorbilde sein sollen) mit einem roten Cadillac vor eine einsame Tankstelle samt Wohnwagen, aus dem die sexy Besitzerin Barb tritt. Die sieht aus wie die Krankenschwester der Krankenhaus-Welt. Ein Computer-Software-Agent, der Mentor,  überwacht aus einem schwarzen Van per Laptop das Geschehen. Analog zur Drogeninjektion in der Laborwelt trinkt hier Stefan die Droge vor der Tankstelle immer wieder aus einer Flasche.
Mit fortschreitender  Entwicklung tauchen immer neue und verrückter agierende Figuren in dieser Welt auf. Außerdem gibt es dann Abweichungen in sonst immer gleichen Wiederholungen.
Der Turing-Test: Eudemonia aus dem Krankenhaus und der Agent aus der Nachtwelt  diskutieren im Fernsehen bzw. Radio, ob eine Maschine, ein künstliches System Bewusstsein entwickeln kann, wie es schon der Mathematiker Turing vorhergesagt hatte.

Zwischen den Welten gibt es Verbindungen. Teilweise passiert das gleiche simultan in 2 Welten (Drogeneinnahme), teilweise reden bzw. telefonieren die Figuren miteinander. Stefan gleitet nahtlos von einer zur anderen Welt.

Fragen: Warum jetzt der Agent am Ende durch Eudemonias philosophische These rhetorisch besiegt sein soll, erschließt sich mir nicht. Ebenso ist unklar, wieso Eudemonia, schließlich ebenfalls ein Software-Phänomen, ausgerechnet für die Menschen plädiert.
Und wie und warum Stefan sich nun gerade nach Eudemonias Plädoyer  aus dem System verabschiedet, ist nicht wirklich begründet. Und schließlich: Warum muss er sterben? Reicht es nicht, wenn er einfach aufhört, die Droge zu nehmen?
Es gibt noch weitere solche Logikbrüche, die den Film immer rätselhafter erscheinen lassen. Immerhin aber passt dies zu den Auswirkungen eines Drogenrausches.

Für alle, die noch genauer wissen wollen, was im einzelnen vorgeht, gibt es hier eine Szenenübersicht, die ich nach dem Schnitt von 2010 angefertigt habe, eine Art grobes nachträgliches Drehbuch.

Fuck you! Ich wurde gehackt.

Wie unaufmerksam von mir! Ich habe soeben meine Domain verloren:

vebfilm.net ist down!

 

 

Seit 30 Stunden sind alle Server offline und der Chef meines Webhosts ist spurlos verschwunden. WTF? Gut, dass ich die Site selbst schon umgezogen habe. Schlecht, dass mein Mailserver noch dort lief. Unter stefan@vebfilm.net bin ich also vorerst nicht erreichbar. Und es wird noch beschissener: Zwar bin ich als Eigner der Domain registriert, aber ALLE meine Kontaktdaten sind 10 Jahre alt. Scheiße, ich lebe nicht mal mehr in der selben verdammten Wirtschaftszone.

JEDER könnte sich also demnächst im Internet als Stefan Kluge ausgeben, mal sehen, wer das Rennen macht. Ich bin jedenfalls garantiert nicht der Schnellste. Vor 20 Jahren habe ich noch doppelt so schnell gedacht. Irgend ein siebzehnjähriger Coder wird sich in die Domain bald als Besitzer eintragen und dann erst mal den Laden dicht machen. Mein letzter Kontakt zu einem Hacker fand auf einer 5 1/4 Zoll Diskette statt - ich bin also CHANCENLOS! Dazu fällt mir nur noch eins ein: Flucht nach vorn.

Hier ist das Passwort für meinen Twitter-Account:

fuckyou

 

Und hier ist meine Unterschrift:

 
 

Stefan Kluge, Davos, 3. Januar 2015

Update #2: »Die letzte Droge« - Early Access

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Lieber Sportsfreund,

die Reise geht weiter. Die russischen Geistlichen waren äußerst lustig, aber die Antwort auf unsere Frage haben wir noch nicht bekommen. Die Suche wird also fortgesetzt, diesmal in Südamerika. Zu Fuß, mit dem Rucksack. Und wieder reise ich mit Freunden aus Sachsen. Genau genommen beginnt unsere Reise in La Paz, einem Krater im Andenhochland, in dem 2 Millionen Menschen leben. 4.000 Meter über dem Meeresspiegel erreichen wir den höchstgelegensten Regierungssitz der Erde, eine Woche nach Ausbruch eines Bürgerkriegs. Diesmal bestehen wir auf einer Antwort und dazu begeben wir uns auf die Suche nach einer heiligen Pflanze. Der erste Teil dieser Reise führt uns aus Bolivien heraus, in das peruanische Amazonasbecken. Einen Monat lang waren wir unterwegs, auf abenteuerlichen Straßen und Wasserwegen, durch Wüsten, über Fünftausender, bis in den Regenwald:
 

» Die letzte Droge «

 

Der Film ist, wie immer, Free Culture. Filmemacher sind herzlich eingeladen das Quellmaterial downzuloaden und ihre Version der Story zu kreieren. So wie es Michael Georgi getan hat. Sein 52 minütiger Musikfilm »Michael Georgi's Piano-Edition« und sein 64 minütiger Remix des kompletten Films, sind ebenfalls ab sofort online!

Beste Neujahrsgrüße, 

 
 

Stefan Kluge, Dresden, 1. Januar 2015

Update #1: »Geist der Biker«-Release

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Lieber Sportsfreund,

ich habe VEB FILM Leipzig wieder hochgefahren und es gibt prompt ein paar spektakuläre News:

Exakt zehn Jahre nach dem Release von »Route 66« geht jetzt unser zweites, langes Road Movie online. Das ist also in etwa die Geschwindigkeit, mit der in Deutschland Open Source Filme gemacht werden. Allerdings: während The Pirate Bay nach 10 Jahren nun leider down ist, sind die lustigen Sachsen immer noch bei bester Gesundheit. Und diesmal in Russland, wo ich fünf Kollegen auf eine merkwürdige Pilgerreise begleitet habe. Zu einem orthodoxen Outlaw-Biker-Priester, der unsere guten, alten Verbrennungsmaschinen segnen sollte.

Wie bitte?

»Der Geist der Biker« wird ab dem 24. Dezember auf vebfilm.net zu sehen sein, inklusive der erstklassigen, russischen Ska-Mugge. Wie immer frei und Open Source. Das Quellmaterial ist schon downloadbar und wird in Tansania gerade zum ersten Creative-Commons-Film *jemals* in Swahili verarbeitet. Wie erfreulich!

 
 

Für Sammler: Bei Amazon liegen noch etwa 300 DVDs im Lager, danach ist auch unser zweites Road Movie ausverkauft. Route 66 ist gebraucht schon nicht mehr für unter 40 € zu bekommen - obwohl ja jeder eine Pressung machen darf. Unsere ökonomische Grundausbildung ist also immer noch mangelhaft und das obwohl einige der besten Ökonomen in Deutsch geschrieben haben. Anyway. Ich melde mich dieses Jahr noch mal mit weiteren Open-Source-Film-News, bis dahin wünsche ich Dir eine stressfreie Vorweihnacht.


Grüße aus dem Schweizer Exil,

 

Stefan Kluge, Davos, 17. Dezember 2014



VEB Filme in Swahili

Edwin Kileo schrieb mir gestern aus Tansania, wo er unsere Filme in den nächsten Monaten synchronisieren will – in Swahili, was man offenbar hier spricht:

Swahili - "die am weitesten verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas" (wikipedia)

Swahili - "die am weitesten verbreitete Verkehrssprache Ostafrikas" (wikipedia)

"Bongo Movies" nennt man die Swahili-Produktionen, was mich an Nollywood in Nigeria erinnert, der zweitgrößten "Filmfabrik" der Welt. Mehr Filme als in Nollywood werden nur in Indien produziert, die Amis sind inzwischen auf Platz 3.

Übrigens sind ein paar Eigenschaften der afrikanischen Filmindustrie auffällig:

  • ein offener, dezentraler Marktplatz (Filme werden auf CDs, DVDs und Tapes auf den Märkten verkauft - Piraterie kümmert die Hersteller wenig)
  • viele Marktteilnehmer (in Nigeria arbeiten nur in der Agrarindustrie noch mehr Leute als im Filmbusiness)
  • geringe Einstiegskosten (Edwin, zum Beispiel, braucht für seine Arbeit nur seinen iMac, ein Mikro und ein paar gute Sprecher; das Quellmaterial unserer Film bekommt er gratis)

Herrlich. Wird sowieso höchste Zeit für mich, ein Roadmovie in Afrika zu drehen. Der erste Kontakt ist hiermit hergestellt.

Professioneller Amoklauf

Hunter S. Thompson, der geniale Gonzo-Erfinder, soll einmal sein Vorgehen als "professionellen Amoklauf" bezeichnet haben. Ich hatte damals das Gefühl, einen solchen vor mit zu haben, als ich versuchte, einen Überblick über das gesammelte Material zu bekommen, was sich so auf Stefans Festplatten angesammelt hatte und nun tröpfchenweise durch meine kleine DSL-Leitung herüber kam. 
5500 Videodateien, 1500 Audiofiles, und die einzige Möglichkeit, ein File vom anderen zu unterscheiden, war der Dateiname: DLD_013-005_02.avi, scene'20031014 18.47.44, oder DRUG2LAN_halle.wav. Keine Inhaltsliste, keine Auflistung verwendeter Dateien, keine Möglichkeit, die HD-Aufnahmen zu verstehen, weil der Set-Ton nicht in der Videodatei, sondern getrennt auf Audiobändern aufgezeichnet war, und keinerlei Zuordnung zwischen beiden bestand. Ein Drehbuch (bzw. die Idee eines Drehbuchs), woraus die Hälfte weggelassen und eine Hälfte hinzugedichtet worden war, was aber nie jemand dokumentiert hatte...
Wie Stefan und seine Kumpels es überhaupt geschafft hatten, daraus einen Film mit Anfang und Ende zu machen, das war wahre Gonzo-Kunst!
Was für mich noch erschwerend hinzu kam: Ich wusste monatelang nicht, was ich überhaupt bekommen würde. Zuerst war es nur ein von Stefan geschnittener Filmversuch - daraus hätte man höchstens eine verwirrende Videoinstallation schneiden können, aber keine Filmversion mit anderem Timing. 
Ich wollte aber unbedingt, wenn ich mich schon an eine Umarbeitung setzte, viele Szenen im Schnitt anders gestalten, um den Film für mich stimmiger zu bekommen.

Ein paar Monate vorher hatte ich an Stefan geschrieben: "Ich denke, außer euch weiß keiner der bisherigen zuschauer, worum es eigentlich genau geht. Und das liegt hauptsächlich daran, dass der erzählfluss an entscheidenden stellen zu sehr unterbrochen wird ... man muss den Zuschauer mehr an die Hand nehmen, Dinge, die für Euch klar sind, idiotensicher machen ... es muss nichts nachgedreht, wohl aber ein paar Sachen umgestellt werden."
Das wollte ich jetzt tun, Szenen umstellen, Anschlüsse anders setzen, das Timing anders gestalten, und danach den Sound komplett neu formen. 
Was für mich nie in Frage kam: Einen komplett neuen Film machen, der etwas anderes erzählt. 

Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt schon 2 Jahre mit dem Stoff beschäftigt und wusste immer noch nicht so richtig, wovon der Film eigentlich handelte. Natürlich hatte ich beim Komponieren der Filmmusik, die zu dem Zeitpunkt eigentlich fertig war, immer wieder versucht, gefühlsmäßig die Stimmung einzelner Szenen aufzunehmen und dann in die Musik zu legen, von Verstehen konnte aber keine Rede sein.
Ich wollte aber dahinter kommen, wollte tief graben, weil ich da eben auch viel vermutete, hinter ganz vielen Andeutungen, rätselhaften Sprüchen, eigenartigen Filmfiguren... Und so wurde der Schnitt auch zu einer Art Selbsterfahrung, einem Forschen und Entdecken, einem Aha-Erlebnis.
Zwei Dinge brauchte es, um weiter zu kommen: Unendlich viel Durchhaltevermögen - und Stefan Kluge.

Ohne tage-und wochenlanges Suchen in über 100 Stunden nichtkatalogisiertem Drehmaterial hätte ich nichts zum Schneiden gehabt. Allein durch Herumschnippeln an einer von Stefan erhaltenen Filmversion hätte ich viele Verbesserungsideen nicht umsetzen können. Es sollte aber eine enorme Frustrationstoleranz erfordern, immer wieder Videodateien anzuklicken, sekundenlang zu warten, bis sie geöffnet sind, sie anzuschauen... und zu verwerfen. Und weiter zu wetten: In welcher Datei könnte denn jetzt beispielsweise eine bestimmte Einstellung des ominösen roten Cadillacs stecken? Eher weiter oben oder weiter unten in den 1700 HD-Dateien?
Gerade am Anfang war das definitiv schlimmer als bei Sisyphos, bei dem rollte wenigstens noch ein Stein. Das einzige, was sich bei mir bewegte, war der Schwindel im Kopf. 
 Doch gerade, als ich nach tagelangem Durcheinander und völliger Verwirrtheit aufgeben wollte, bekam ich dann eben rechtzeitig einen knappen Tip von Stefan: DLD_020-003a_02.avi
Und ich erlebte erst das Gefühl der Überraschung "Ja, genau, wirklich, das ist es" und dann der Bewunderung "Wie kann man so ein Material so traumwandlerisch überblicken?" So ein Gespür im totalen Chaos war wirklich professioneller Amoklauf.

Das Gefühl von Verzweiflung, Ohnmacht und dann urplötzlicher Erleuchtung sollte ich noch öfters erleben, sogar noch jetzt, beim nachträglichen und endgültigen Ordnen des Rohmaterials, gibt es noch solche Momente. Ich glaube, man kann sich diesem Material nur auf 2 Arten nähern: Entweder mit völliger Selbstverachtung oder mit traumwandlerischer Unbekümmertheit. Mir blieb leider nur ersteres, da ich alles bin, nur nicht unbekümmert. Vielleicht, und damit wären wir wieder beim Film, fehlten mir für die sofortige Erleuchtung aber auch die  psychoaktiven Substanzen, die Stefan und seine Kumpels in Südamerika ja  gefunden hatten. 
Und weiter - jetzt wird es spekulativ - vielleicht sind ja auch Stefans Schwierigkeiten, alles fertig zu bekommen, auf ein Versiegen der Drogen-Quelle zurückzuführen?

Bei mir ging es jedenfalls nach katastrophalem Beginn schrittweise immer besser voran. Irgendwann sah ich Licht. Durch mein Nachfragen und immer wieder Erklären durch Stefan verstand (oder zumindest ahnte) ich nach und nach, was einzelne Szenen im Film an Funktion und Sinn hatten und entdeckte auch Wege, diese Sicht durch Kürzungen, Umstellungen und Ergänzungen etwas deutlicher zu machen. Im Nachhinein würde ich sagen, ich hätte mehr umstellen/ergänzen müssen, um meine jetziges Verständnis von Stefans Film, um wirklich alle Ideen klar zu transportieren. Aber: Das hätte ich nicht überblickt, und dann wäre ich nicht fertig geworden. 
Erst jetzt, mit 4 Jahren Abstand und mehr als 100-maligem Anschauen des Films, sehe ich so klar, dass es vom Wissen her möglich wäre. Nur: Jetzt habe ich die Zeit nicht mehr.

Was ist jetzt neu an meiner Fassung? 
Nichts. 
Und das ist vielleicht gut so, denn so ist auch noch 100 % Gonzo drin. Und 100 % Stefan Kluge.
Und was hat das Umstellen gebracht?  Wird jetzt der Zuschauer "an die Hand genommen", ist der Film "wirklich idiotensicher" (=eigener Anspruch)?
Nö.
Wenn ich mir das Ergebnis jetzt mit anderen Leuten zusammen anschaue, wirkt es unverständlich, komplex, chaotisch, rätselhaft. Und rauschhaft.
Ist halt 100 % Gonzo drin. 
Und Nomen ("Droge") ist in diesem Fall wirklich Omen.