"An welche Zielgruppe richtet sich das Buch?"
Sprache und Art der Reise sind eher unkonventionell. Wer Popliteratur à la Stuckrad Barre oder witzige Reisegeschichten, etwa die von Bill Bryson, mag, dem könnte auch dieses Buch gefallen. Für Freunde abgefahrener Stories (Quentin Tarantino, Hunter S. Thompson, Oliver Stone, etc.) dürfte das Buch die optimale Reisevorbereitung sein. Es steht nichts geschrieben über die touristischen Attraktionen des Bundesstaates XY. Stattdessen erfährt man, was es bringt, wenn jemand mit einem verrotteten Oldtimer die Wüste durchqueren will. Wer einen Museumsurlaub plant, der greift besser zu einem ADAC-Reiseführer.
"Worum geht es in dem Buch?"
Drei junge Filmschaffende begeben sich auf die Suche nach den amerikanischen Klischees. Dabei setzen sie auf die amerikanischsten Werte, die ihnen einfallen: ein unsinnig monströses Auto voll gestopft mit Fast Food, Ölflaschen und Kameratechnik auf dem Weg nach Kalifornien via Route 66. Dass sie Hollywood niemals finden, ist nicht die einzige Überraschung.
"Gibt es etwas Besonderes an dem Buch?"
Poppige Reiseerzählungen sind selten. Davon abgesehen gibt es tatsächlich ein Novum: eine mp3-Playlist zu jedem Kapitel. Wer die Songs auf der Platte hat, der kann sich beim Lesen auch musikalisch auf die Reise machen. Playlist und Songs gibt's kostenlos auf www.veb-film-leipzig.de.
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Leseproben |
Noch 400 Meilen bis Washington. Hier hatte ich mir nun einen regelmäßigen Fährbetrieb ausgemalt. Einen, der mich zu den grünen Punkten bringt. Ein paar RVs, diese überdimensionierten amerikanischen Wohnmobile, stehen wie Bockwürste vor einem Ticketschalter. Auch sie haben die letzte Fähre verpasst. Nun schaue ich zum ersten Mal genauer auf die Karte. Um pünktlich den Flughafen zu erreichen, müsste ich morgen früh als Erster von der Fähre preschen und dann mit konstant 160 Sachen durch das Naturschutzgebiet toben. Das klingt verlockend, aber bei 160 schluckt der rote Panzer sparsame 45 Liter auf 100 km. Das war das Erste, was ich ausprobiert habe. Und damit dürfte ich nicht weit kommen. Also muss ich wieder zurück auf eine Interstate, dem amerikanischen Pendant zu unseren Autobahnen. Keine Outer Banks, was immer das sein mag. Zweihundert Meilen Umweg, Barnes&Nobles sei Dank.
Der Himmel ist bedeckt. "Ich gebe dem Wagen noch 100 Meilen!" sagt mein Berater. Und obwohl wir alle ahnen, dass wir nicht mehr weit kommen werden, beschließen wir, die Interstate zu verlassen, um auf der Old Route 66 zu fahren. "Ich gebe ihm 50!" erhöhe ich den Einsatz. Auch unser Kameramann hat seinen Optimismus verloren. Zu offensichtlich ist das Verrecken der Karre. Meine Beruhigungsfloskeln glaube ich schon selbst nicht mehr: "Das Geräusch? Das sind nur die Zierleisten, die im Wind schlackern." oder "Dieses Stottern? Das kann nur der schlechte Sprit sein." "Dann werden wir unseren Cadillac wenigstens stilvoll in der Wüste verenden lassen", sind wir uns einig und folgen der Straße auch noch, als sie zur Schotterpiste wird. Es wird hügelig. Die coolen Sprüche bleiben uns langsam im Hals stecken und unsere Gemüter verfinstern sich. Mir wird klar, dass es zwar ein dramatisches Ende für einen Film hergibt, "den Cadillac wenigstens stilvoll in der Wüste verenden zu lassen", dass dann aber kein Licht angehen wird, damit wir den Weg aus dem Kino finden. Mit Schrittgeschwindigkeit kriechen wir einen langen Hügel hinauf. Wie ein verendendes Tier kämpft das Auto mit letzten Kräften. Es schmettert die Fehlzündungen in die Steppe, wühlt den Staub von der Piste, bis der Motor schließlich mit einem finalen Donnerschlag sein Leben aushaucht. Regungslos sehen wir zu, wie sich der Staub im Wind auflöst. Ruhe kehrt ein.
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