German  English  
VEB FILM Leipzig arrow The Last Drug (2008) arrow Notes (german only) arrow Death Road
Death Road PDF Print E-mail
Written by Stefan Kluge   
Tuesday, 07 February 2006
Bolivische Anden, Oktober 2003

"Hoo!" der Beifahrer lehnt weit aus dem Fenster. Um den Reifen zu sehen. Alle paar Minuten stößt er diesen Laut aus. Jetzt auch wieder. Der Reifen hängt 5 cm über dem Abgrund. Unten liegen Wracks. Sachen. Hin und wieder steckt ein Kreuz in der Straße. Auf das "Hoo" ertönt ein Kreischen. So wie es klingt, wenn Metall auf Stein schleift; der Busfahrer reißt das Lenkrad rum. Der Bus schleift am Felsen. Das ist besser als der Abgrund. Denn der ist bis zu 1000 Meter tief und natürlich ungesichert.

Wir fahren bergab. Seit vier Stunden. Es fängt an zu regnen. Ein Auto kommt uns entgegen. Unser Bus setzt zurück. Und beginnt zu rutschen.

Wir haben den Whiskey vergessen. Ein Kind erzählt Paco von den Konquistadoren, „diesen Schweinen“. Für das Kind ist der Hardcore-Backpacker-Geheimtipp der Schulweg.

Ankunft. Es wird bald dunkel sein. Wir brauchen eine Bleibe. Außer uns ist noch ein Weißer im Bus. Wir fragen ihn.

Die Ausläufer der Anden grenzen hier direkt an das Amazonasbecken. Nebel bildet sich. Das Schreien der Tiere wird lauter. Der Dschungel wuchert die Berge hinauf. Bis zu unserer Terrasse. Auf der stehe ich mit der Dame des Hauses und schaue den Tropen beim Dämmern zu.

"Hast du schon bolivianisches Kokain probiert?" fragt Roquelina.

Die Poolbeleuchtung schaltet sich ein. Ein Gärtner fischt ein paar Palmblätter aus dem Becken. Roquelina öffnet eine Schatulle. Sie hält meinen Arm fest, schaut mir lange in die Augen und sagt "Stefan! Du bekommst all das hier umsonst, aber bitte, bitte mache einen guten Film über mein Land!" Sie fährt mit dem Fingernagel durch das Pulver und hält ihn mir unter die Nase. "Wenn ihr mehr wollt, dann müsst ihr zu Maciela."

Bolivien ist das ärmste Land des Kontinents. Jeder siebte Einwohner ist Analphabet, pro eine Million Menschen zählt man 98 Wissenschaftler und Ingenieure. Zwei Drittel der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Einem Drittel stehen weniger als 50 Euro pro Monat zur Verfügung – 15 Prozent der Bevölkerung weniger als 25 Euro. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt 63 Jahre, die Wahrscheinlichkeit, das 40. Lebensjahr nicht zu erreichen, 16 Prozent. Das Durchschnittsalter ist 21 Jahre. Ein Viertel der Kinder zwischen 7 und 14 Jahren verrichten Kinderarbeit. Die Kindersterblichkeit liegt bei 6 Prozent. Die Sonne scheint 280 Tage im Jahr.

Das Zirpen der Grillen nimmt ab, je näher wir zurück zum Dorf kommen. Kopfsteinpflaster. Treppen. Ein Trafo summt. Hunde bellen. Und – tatsächlich: Vollmond. Ein Papagei sitzt in der Tür eines Ladens. Paco kauft ein paar Liter Singahi, hochprozentigen bolivianischen Schnaps. Ich denke an Monkey Island und halte für einen Moment ernsthaft Ausschau nach einem Affen. In der Küche eines Hinterhauses treffen wir Maciela. Sie verkauft uns das Koks. Für 5 Euro pro Gramm.

Ich bin dran mit zahlen. Und stelle fest: mein Pass ist weg. Wie auch alle anderen Papiere und Karten.

Für das Koks reicht unser Bargeld noch.

Zehn Stunden zuvor. Wir verlassen das Hostal „Cactus“. Unser Ziel ist die Death Road. Nachdem ich bereits mit geschulterter Kamera durch die Slums von Buenos Aires, über die Schmuggler-Meile einer der kriminellsten Städte Brasiliens oder etwa ein bolivianisches Militärcamp gestolpert bin, wägte ich mich in einer Art empirischer Sicherheit. „Metropole des ärmsten Landes des Kontinents“ klang nach einer guten Kapitelüberschrift. Viel mehr aber auch nicht.

Aber die Evolution macht auch vor Arschlöchern keinen Halt: Ich hatte die Gauner unterschätzt. „Gauner Nr.1 verschüttet einige Tabletten vor und über dem Opfer (Touristen) und lässt sich beim Aufsammeln helfen; Gauner Nr.2, der Busfahrer, der Gauner Nr.1 und Gauner Nr.3 aufsammelte, nachdem er das potenzielle Opfer ausgemacht hatte, schreit vom Steuer permanent irgendwelche unverständlichen Wortfetzen nach hinten, während Gauner Nr.3, im Business-Dress, dem Opfer die Taschen ausräumt.“ Diese Kaktusfresser wiesen mich auf die Plätze des Provinz-Gringos zurück.

Zurück in der Villa. Der Lonely Planet "South America" liegt auf einem Glastisch. Auf der Rückseite die Karte des Kontinents. Ich schütte das Koks drauf. Roquelina verteilt gestutzte Strohhalme und der Hausherr bereitet ein paar Lines.

"Das Pantanal soll sehr geil sein!" scherze ich und ziehe die erste Line, die sich von Kolumbien nach Brasilien erstreckt.
 



Join the Blue Ribbon Online Free Speech Campaign

Login
         
Lost Password?
 | Register
Crew Blog Posts
Forum Posts
1: Die Letzte Droge auc... (3)
2: VEB: VEB-Logo im Gra... (6)
3: Jugendsünden und das... (6)
Our Account
cost: $46,902.63
income: $36,046.89

$
more information
VEB Download Counter
Jul 2007

Route 66:
1 Mio. downloads + P2P
600.000 DVDs in German magazines

The Last Drug:
will be released in 2008
Sponsored By

LEITS
marian
Hallo Pizza
airstream4u
arroway textures
astaro


Supported By

ashampoo.de
blickreich.de
Caravan-Center Kuhfuß
Computer Tempel
eisenhertz
FH Furtwangen
Internet Archive
Thomas Jannot
klangpool
mediaprofis.net
Nedeos.TV
NuoViso Filmproduktion
RMS
SCF Leipzig
smow
spreadshirt
Der Umblätterer


5.1 sound in english and german, german commentary, booklet, 104 minutes
Your Price:
$

our costs: $10.53 including worldwide shipment