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Written by Stefan Kluge
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Friday, 03 February 2006 |
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New Mexico, Mai 2002
Wir sitzen in einem Motorboot, mitten in der Wüste. Das Boot liegt im Sand, vor einer Ranch in New Mexico. Die Tüte ist alle. Mein Berater
hat das Steuer übernommen und dreht fortwährend am Lenkrad.
Ich liege auf der langen Lederrückbank des Bootes und
mein Kopf kippt gemächlich zur Seite. „Ich rate dir die Musik
lauter zu drehen!” warnt mich mein Berater. Mit größter Anstrengung kann ich den
Lautstärkeregler des Ghettoblasters erreichen, ohne mich dabei
auch nur einen Millimeter aus meiner Lage bewegen zu müssen.
Mein linker Fuß beginnt sich im Takt zu bewegen. Zwischen
meiner Nasenspitze und meinem rechten Knie hindurch kann
ich meinen Berater tanzen sehen. Im Rhythmus der Musik scrubt
er das Lenkrad mit der flachen Hand. Mein Körper fängt von
außen her an, seine Schwingung aufzunehmen: Erst bewegt sich
auch der rechte Fuß, dann beide Hände und schließlich auch
mein Kopf. Synchron zu den Lenkbewegungen meines Beraters
wahre ich das Gleichgewicht auf dem Boot. Der Rhythmus hat
mich nun ganz ergriffen und ein Glücksgefühl strömt in meinem
Bauch hinab. Eine Windböe streift mein Gesicht. „Ja Baby, mehr
Speed! Gib Gas, Mann! Wir brauchen mehr Speed! Are we god damn
old ladies or what?” schreie ich meinen Berater an und sehe den
Canyon auf mich zurasen. Er gleitet rein in meinen Flash, und
wir fliegen zusammen die Wüste entlang.
Unser Kameramann will mit unserem Rausch nichts zu tun
haben. Als ich wieder etwas runterkomme, suche ich nach ihm
und finde ihn im Auto vor der Garage der Ranch. Voller Unsicherheit über
meinen derzeitigen Zustand blickt er mich an und versucht vergeblich,
meinen Äußerungen einen Sinn abzugewinnen. „Ich
brauche das Ladegerät für unseren Kameramann!” trage ich angestrengt
vor. „Was?” „Ich brauche das Ladegerät für unseren Kameramann!”
„Was willst du?” „Ich brauche das Ladegerät für unseren
Kameramann!” sage ich zum dritten Mal in exakt dem selben Ton
und als ich merke, dass ich es auch noch zehn mal gesagt hätte,
wird mir klar, dass ich noch nicht ganz nüchtern sein kann. „Bist
du high oder was?” erwidert er mir zornig. Natürlich meinte ich
meinen Berater, für den ich das Ladegerät holen sollte. Unser Kameramann
nimmt keine Drogen, es gelingt mir auch nicht, ihm
welche in die Cola zu mischen. Also muss er nüchtern ertragen,
dass ich beginne, ihn ständig mit meinem Berater zu verwechseln.
Aber der ist längst in der Wueste zwischen Öltanks und undefinierbaren
technischen Geräten verschwunden.
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