VEB FILM Leipzig Route 66 (2004) Notes (german only) Motels
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Written by Stefan Kluge
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Friday, 03 February 2006 |
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US-Südstaaten, 1999
Während eines Road Trips durch die USA gibt es nichts
großartigeres als die allabendliche Suche nach einem Motel. Etwa
eine Stunde vor dem Einkehren beginnt man damit, auf Schilder,
Leuchtreklamen oder Gebäude mit der typischen Motel-
Form zu achten, die man zu allen anderen Tageszeiten nicht mal
wahrnimmt. Je billiger der Reklame-Look oder je schäbiger die
Fassade, desto besser. Ich persönlich bevorzuge privat geführte
Motels, die leider, zumindest entlang der Interstates, inzwischen
fast vollständig von den Ketten verdrängt wurden. Mit der Zeit
bekommt man jedoch ein Gefühl dafür, wo man diese originellen
Privatmotels findet. Ich fahre dann einfach an irgendeiner Abfahrt
Richtung Hinterland und lande in der Regel irgendwann
vor einem Motel.
In einem der abgelegensten Motels von Texas habe ich 1999
einmal das schönste Weihnachten verbracht, an das ich mich erinnern
kann. Es war so abgelegen, dass man uns auf die Frage
nach dem nächsten Kino antwortete: „fahrt Richtung Norden, ca.
sechs Stunden”. Ich reiste mit einer Freundin auf dem Motorrad
durch die Südstaaten, als über Texas plötzlich eine Kaltfront
hereinbrach. Völlig erfroren und unfähig, noch einen einzigen
Meter zu fahren, hätten wir jedes Zimmer genommen. Umso unglaublicher
war die Atmosphäre, die dieser Ort ausstrahlte. Zum
einen war dort dieses kolossale King Size Bett, auf das wir uns
schon seit acht Stunden Fahrt über vereiste, nicht enden wollende
Straßen freuten. Und zum anderen hatten wir uns mit Unmengen
von Junk Food ausgestattet, um unsere schmerzenden
Gliedmaßen aufzutauen, bei kultigen Weihnachtsklassikern im
Fernsehen und Subway-Burgern im Magen. Und wenn wir die
schwere Holztür einen Spalt öffneten, nur um uns noch einmal
davon zu überzeugen, wie toll es uns doch hier drinnen geht,
dann konnten wir im Laternenlicht über der einsamen, feuchten
Straße das Motel-Schild durch den Nebel scheinen sehen.
Motels sind alle nach dem selben Prinzip aufgebaut: ein oder
zweigeschossig, eine dicke Tür und, meist links daneben, ein
Fenster. Direkt unter dem Fenster ist die Klimaanlage installiert,
die in der Regel so unerträglich laut ist, dass man nur besoffen,
mit Ohropax oder überhaupt nicht schlafen kann, weil man vergessen
hat, nach einem Nichtraucher-Zimmer zu fragen und
sich das Fenster nicht öffnen lässt. Hat man ausgelost, wer der
Dumme ist, der vorne schlafen muss und somit die ganze Nacht
von der Klimaanlage brutal angeblasen wird, dann nimmt man
die Fernbedienung, prüft die Kanäle: „Toll! HBO!” oder „Wo ist
der Weather Channel?” und schaut sich schließlich das Bad an.
Hier steht fast immer eine Badewanne. Auch in den billigsten
Motels, obwohl dort niemand auf die Idee kommen würde, sich
bei einem Glas Rotwein und einem gutem Buch in die schäbige,
vergilbte Wanne zu legen, um den in Fetzen von den letzten
zwei Ringen herunterhängenden Duschvorhang im Kerzenlicht
zu bewundern.
Eigentlich sind sie alle gleich, aber jedes Motel hat eine individuelle
Note. Und während man in die Dämmerung hinein fährt,
fragt man sich schon, ob man heute Abend wieder über einen
dicken, roten Plüschteppich laufen wird und ob die Zimmerantenne
des festgeschraubten Fernsehers diesmal nicht mitten
im Finale der NBA Playoffs vom Schrank stürzt. Trotz solcher
Überraschungen gibt es jedoch stets zwei Konstanten: der Abstand
zwischen dem Bett und dem parkenden Auto beträgt maximal
drei Meter. Und im Nachtschrank ist immer eine Bibel. Ich
habe in unzähligen amerikanischen Motels genächtigt, und nicht
einmal in dem schäbigsten Stundenmotel im Armenviertel Houstons,
in dem der Teppich rund um den Fernseher mit den Hinterlassenschaften
wichsender Truckerfahrer verklebt war, musste
ich auf eine Bibel verzichten.
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Jul 2007
Route 66:
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