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Geschrieben von Stefan Kluge
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Friday, 3. February 2006 |
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Texas, Mai 2002
Wenn ich keinen Plan habe, auf Reisen also eigentlich immer,
dann nehme ich meinen Atlas und suche nach grün gepunkteten
Linien. Eine „Scenic Route” verspricht mir die Legende. Anfangs
habe ich immer „science” gelesen und auf spektakuläre NASAGebäude
oder McDonalds Science Foundations entlang der
Straße gewartet. Bis mich dann Leo, das Wörterbuch,
mal aufklärte: „landschaftlich reizvoll”. Zwar scheint das in
meinem zehn-Dollar-Barnes&Nobles Road Atlas ein dehnbarer
Begriff zu sein, denn die Scenic Routes führten mich schon durch
Ölfelder in Texas, die aussahen wie das Gewerbegebiet von Bitterfeld.
Aber ohne die Karte würde ich wahrscheinlich tagelang
im Kreis fahren und es erst merken, wenn mich der Tankwart
darauf aufmerksam macht.
Die nahesten grünen Punkte führen auf die „Outer Banks” –
eine Art Halbinsel vor der Küste North Carolinas. Im Grunde
völlig sinnlos, da es sowieso dunkel sein wird, wenn ich dort ankomme.
Aber vielleicht gibt es ja einen „landschaftlich reizvollen”
Sternenhimmel zu sehen. Richtig. Es ist dunkel, als ich in
Cedar Island ankomme. Noch 400 Meilen bis Washington. Hier
hatte ich mir nun einen regelmäßigen Fährbetrieb ausgemalt.
Einen, der mich zu den grünen Punkten bringt. Ein paar RVs,
diese überdimensionierten amerikanischen Wohnmobile, stehen
wie Bockwürste vor einem Ticketschalter. Auch sie haben die
letzte Fähre verpasst. Nun schaue ich zum ersten Mal genauer
auf die Karte. Um pünktlich den Flughafen zu erreichen, müsste
ich morgen früh als Erster von der Fähre preschen und dann mit
konstant 160 Sachen durch das Naturschutzgebiet toben. Das
klingt verlockend, aber bei 160 schluckt der rote Panzer sparsame
45 Liter auf 100 km. Das war das Erste, was ich ausprobiert
habe. Und damit dürfte ich nicht weit kommen. Also muss ich
wieder zurück auf eine Interstate, dem amerikanischen Pendant
zu unseren Autobahnen. Keine Outer Banks, was immer das sein
mag. Zweihundert Meilen Umweg, Barnes&Nobles sei Dank.
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