Ich finde es irgendwie absurd. Wenn ich mir diese bunt bebilderten und wirklich hübsch gestalteten Recording-Magazine anschaue, dann überkommt mich schon seit einiger Zeit eine bohrende Frage: In welchem Jahr leben wir eigentlich? Auf den ersten Seiten liest man von neuen Entwicklungen, neuen Technologien, neuen Plugins, neuen ultra-linearen Preamps, neuen Mikrophonen mit Frequenzgängen so Flach wie Niedersachsen, neuen Computern mit Festplatten so groß, dass man sich mit Infinetisimal-Berechnungen der Menge der speicherbaren Bilder und Songs asymptotisch nähern muss. Aber dann, im selben Atemzug, nur zwei oder drei Seiten weiter wird vom tollen Sound der Geräte von damals geschwärmt. Häufig mit verbalen Girlanden und Schleifen geschmückt und als Charakter verkauft. Für wie viel? 2213 € (inkl. 19% Mwst.) für einen einkanaligen UA 1176? Warum? Dieses Schaltungsdesign ist fast so alt wie Elvis und dennoch reißen sich die Käufer darum. Das soll nicht heißen, dass das Ding schlecht ist, oder sein Geld nicht wert ist, gute Ingenieurs-Kunst ist teuer, aber wo bleiben die wirklichen Innovationen? Was Tolles von heute? Sachen, mit denen man Musik von heute machen kann? Bei Instrumenten ist es dasselbe. Der letzte Synthie mit neuem Synthese-Ansatz in den letzten Jahren (an den ich mich erinnere) war der Hartmann Neuron. Und die sind an dem Ding pleite gegangen, weil es niemand haben wollte. Keine Ahnung, warum. Bei Gitarren genau dasselbe. Seit vierzig Jahren werden diese seltsam bespannten Bretter mit den Spulen in der Mitte verehrt. Unverändert. Und die nächste achtziger Retro-Welle kommt bestimmt auch wieder. Na toll.
Viele Grüße
Philipp
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