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Category >> Synthesizer

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Erste Begegnungen
11 Jahre klassisches Klavier hatte ich nun hinter mir. MOZART, BACH , CLEMENTI und noch ein paar andere Knallköppe, die mir mit ihren grenzdebilen Klein-Sonaten die Kindheit verdorben hatten, standen im krassen Gegensatz zu meinen damaligen Interessen: englische Sportwagen, amerikanische Maschinengewehre, langbeinige Mädchen und ROCK!

Wie eine Himmelsfügung empfand ich deshalb den mittelprächtigen Wohnungsbrand, der mir mein PIANO der Marke „Nussbraun, dunkel“ damals hinwegfegte. Mit frischer Kohle ausgestattet, begab ich mich also kurze Zeit später in die Musikgeschäfte der nächstgelegenen Großstadt, um etwas mehr von den sagenumwobenen, elektronischen Tasteninstrumenten, genannt: "Synthesizer", zu erfahren.

Am Rande möchte ich erwähnen, um 1980 legten die meisten Geschäftsleute eine etwas strenge oder auch unfreundliche Art an den Tag. Dazu gesellte sich die ohnehin ausgeprägte „Muffigkeit“ des Rheinländers im Allgemeinen. Vielleicht, so meine Theorie, ist das darauf zurückzuführen, dass eben jene Mitvierziger, autoritär aufgezogen von Trümmerfrauen, durch Armut und Entbehrungen der Nachkriegsjahre geprägt waren. Tja, und das knallte mir nun voll entgegen.

Das lief dann in etwa so ab:

Tom: „Tach, ich interessiere mich für nen Synthesizer!“
Verkäufer: „Hier, das kann ich dir empfehlen, klingt super. Nimmste es gleich mit?“
Tom: „Ähh, das ist aber ne alte Orgel. Sowas will ich nicht!“
Verkäufer: „Was anderes haben wir nicht und was anderes gibt es auch nicht. Komm wieder, wenn du weißt was du willst!“
Oder so
Tom: „Den Yamaha Synthi da drüben, kann ich den mal antesten? Ich suche schöne weiche Sounds.“
Verkäufer: „Nein, ich weiss nicht wie der funktioniert und mein Mitarbeiter kommt erst um 3 Uhr wieder zurück. Der kennt sich damit aus, aber der Synthesizer funktioniert. Nimmst du ihn gleich mit ?“
Tom: „Ähhhhh. Nein. Ich komm dann um 3 Uhr nochmal wieder!“
… Um 3 wieder zurück und nach dem „Mitarbeiter“ fragend, wusste niemand mehr was von eben einem solchen und auch sonst erinnert man sich an gar nix.

Die ersten Käufe
Es lief also letztendlich darauf hinaus, dass ich irgendeinen Musikladen mit einer alten Orgel, einem ziemlich mies klingenden E-Piano und einem „dazugehörigen“ Gitarrenverstärker unter dem Arm verliess. Knapp 6.500 Deutsche Mark ärmer.
„Klasse“, dachte ich, „jetzt kann ich in ein paar Monaten bei PINK FLOYD einsteigen!“
Nach einer handvoll Sessions, stampfte ich zurück ins Musikgeschäft und versuchte den gekauften Mist gegen was amtliches einzutauschen. Tja, da hatte ich aber die Rechnung ohne die Brut der Trümmerfrauen gemacht. Aus die Maus. Kohle weg. Abhaken unter „Lebenserfahrungen“!
Die Orgel landete auf den Sperrmüll, das Piano wurde entkernt und in Einzelteilen verkloppt. Einzig der Gitarrenverstärker liess sich auf dem freien Markt platzieren.

Mit frischen Moneten von Muttis Prämiensparbuch wieder zurück ins… na, ratet mal… jo , richtig, zu den Experten des Musikalieneinzelhandels.
Mittlerweile hatte ich mir auch ein fundamentiertes Halbwissen über die damals gängige Fachpresse angeeignet, was ein Synthesizer eigentlich ist, und wie so 'ne Kiste auch aussieht. Und da standen sie: KORG PS 3100 und KORG TRIDENT. Amen!

Der Typ der Synthiabteilung (wahrscheinlich ein RAF Sympathisant und an jedem freien Wochenende zum Zelten in Wackersdorf) stöpselte also nun 20 min an dem PS 3100 halbmodularen Synthesizer rum, um mir dann einen etwas enttäuschenden Streichersound in C-DUR vorzuführen. Aber trotzdem, ich war auf dem richtigen Weg.
Allein die ganzen Knöpfe und Schalter der Kisten. Wow, war das endgeil. Jetzt sah ich mich schon auf den großen Bühnen der Welt.
Der KORG TRIDENT. Frisch eingetroffen. 7.200,- DM. Fast soviel wie ein flammneuer OPEL Kadett.
Tom: „ Kann der auch Chöre?“ ..das war eine Frage die saß. Präzise, direkt, fundamentiert! Ich weiss nicht wieso, aber ich wollte Chöre. Streicher und Chöre.
Oweia. Die RAF-Tüte setzte ich vor das Gerät und drehte an Potis und drückte leuchtende Buttons, aber nicht ein Fünkchen eines Chores weit und breit. RAF-Tüte: „So hier ist dein Chor!“
Ich schaute den Typen an, als ob der mich nach 'nem Urinal mit USB2 Anschluss gefragt hätte. Tom: „Hää? Wo?“ Die Visionen der Weltbühnen verschleierten sich… keine Chöre = keine goldenen Platten.
Mit gesengtem Haupt fuhr ich heim.

Die Frankfurter Musikmesse
Die Monate gingen ins Land. Ich wurde reifer und las 'ne Menge Testberichte, Messeberichte, Produktanzeigen. Meine Vorliebe für Chöre drängte etwas in den Hintergrund. Immerhin Glocken waren ja auch cool und das konnten einige Keyboards auch!
Vor der finalen Kaufentscheidung machte ich aber das, was alle erfolgreichen Musiker tun: Ich besuchte die weltgrößte Fachmesse für Musikinstrumente in Frankfurt!
Das war fett. Für 102,- DM ein Fahrschein der Deutschen Bundesbahn erworben, um dann per D-ZUG die 270km nach Frankfurt in ca. 18 Stunden zurückzulegen. Und da war ich. Mittendrin statt nur dabei. Synthesizer bis zum Abwinken. Bildhübsche Hostessen, die meine Fragen nach Oszillatoren und Filtergüte nur mit einem verschämten Lächeln beantworteten. Das war wahre Kundenbetreuung.
Jupiter 6, Jupiter 8, ELKA Synthex, Oberheim, PPG , Rhodes Chroma.. . Wow das war besser als die Taufe und Kommunion zusammen. Das war das Paradies… Scheiss auf die Orgeln und Klaviere. Jo, und einige Verwirrte testeten sogar Flöten an. So richtige, aus Holz, die man in die Gusche steckt. Krass! Waren die bescheuert. Wer braucht heutzutage noch ’ne Flöte?

Der erste eigene Synthi
Besoffen von den Eindrücken der Messe ging ich einkaufen. Roland JX-3P! Sah bescheuert aus das Teil, konnte aber Glocken …und Streicher! 2.590,- DM und das Ding war meins.
Kopfschüttelnd registrierten meine Verwandten und die „älteren“ Semester (unter den bei uns ein- und ausgehenden Besuchern) meine Programmiersession: Helikoptersounds, Wind, Grummeln und Glocken.
Mutti: „Und dafür habe ich dir 11 Jahre Klavierunterricht bezahlt?“ Das musste ich mir ca. 3000 mal anhören.

Mit der Zeit langweilte mich die Kiste. Es musste etwas Neues her…. Der Wahnsinn ging in die Hauptrunde!
Es kamen und gingen:
Roland JX-3P, Roland Juno 106, Sequential T8, Rhodes Chroma, Moog Prodigy, Roland SH-09, Roland SH-7, KORG BX-3, YAMAHA TX-7, Roland MK700, OBERHEIM Matrix6, EMU EMAX2, EMU EMULATOR4, KORG Polysix, KORG Symphony
Und es blieben:
KORG Trident, MOOG Minimoog, Roland Jupiter 6, Roland JUNO 60, ARP Solina String Ensemble, Technics P30, Yamaha CS 30, Roland Jupiter 4, YAMAHA SK-30, EMU Emax HD und noch eine handvoll Klangerzeuger und Drumcomputer.

Angekommen im VEB-Film-Leipzig-Zeitalter
Die eine oder andere Kiste steht auch noch auf meinem Wunschzettel. Wer aber lesen kann und sich den VEB Kontostand anschaut, weiß, dass es zur Zeit maximal für ne versiffte Blockflöte aus dem polnischen Carepaket reicht.
Egal, es geht weiter. So wie damals, als ich mir die Scheissorgel andrehen liess.

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Rhodes Chroma
Der RHODES CHROMA Synthesizer ist eine Entwicklung der Firma ARP. Nach dem Konkurs der Firma ARP Anfang 1980 erwarb Rhodes die Rechte und entwickelte den CHROMA zur Serienreife weiter.

Der CHROMA ist ein stattlicher Analogsynthesizer mit außergewöhnlich komplexen Synthesemöglichkeiten sowie einer anschlagdynamischen Holztastatur.

Der CHROMA ist max. 16 stimmig. Er besitzt 16 VCOs, 16 VCFs, 16 VCAs, 32 ENVs und 2 sehr komplexe LFOs. Unter anderem bietet der Chroma folgende Möglichkeiten:
- 2 unabhängige Kanäle mit je 8 Stimmen (gleicher oder unterschiedlicher Sound)
- Synchronisation, Ring- und Crossmodulation
- Filter in Serie, parallele Filter Bandpaß ect.

Einen MIDI Anschluß bieten verschiedene Hersteller als Nachrüstsatz an. Das größte Manko des CHROMAs ist aber seine Bedienung. Folientaster, mit denen seine Funktionen einzeln abrufbar sind und ein Schieberegler mit denen die Parameter einzustellen sind, behindern die Soundprogrammierung enorm. Abhilfe kann hier nur ein Editorprogramm schaffen. Trotzdem bleibt der Programmierspaß auf der Strecke. Der Sound des CHROMAs ist außergewöhnlich und beeindruckend.

Der CHROMA kostete ca 13.000 DM die Expanterversion lag bei ca. 9.700 DM. Die letzten CHROMAs wurden wenige Jahre später für DM 6.490 von Musik Produktiv abverkauft.

Wer sich mit der fummeligen Bedienung anfreunden kann, bekommt für ca. DM 3.000,- einen beeindruckenden Synthesizer. Ein zu schwaches Netzteil, starke Hitzeentwicklung und Probleme an den Steckkartenkontakten sollten beim Gebrauchtkauf als mögliche Fehlerquellen untersucht werden.

Solina STRING ENSEMBLE
Das STRING ENSEMBLE von ENIMENT wurde von verschiedenen Herstellern in Lizenz gebaut. So auch von ARP. Dort wurde das STRING ENSEMBLE unter dem Namen "SOLINA" vertrieben und auch bekannt.

Optisch unterscheiden sich die verschiedenen Versionen meiner Kenntnis nur in der "Gehäusebespannung". Von Holzimitationen bis zum grauen Vinyl ist (..bzw. war) die SOLINA STRING erhältlich.

Die roten Druckknöpfe sind bei allen gleich und geben dem Keyboard einen, sagen wir mal,"russischen" Charme.

Die 4 Sounds unterscheiden sich lediglich in der Klangfarbe ( dumpf, fast dumpf, nicht mehr ganz so dumpf, hell ) :-). Der Grundsound, meint den der Streicher, ist einmalig und wirklich klasse, wobei die Modulationsschaltung einen wesentlichen Anteil am "SOLINA STRING" Sound hat. Man kann den Ensembleeffekt auch abschalten, was aber dem Gesamtsound ungefähr so nützlich ist, wie den Netzstecker aus der Steckdose zu ziehen.

Das Instrument ist, dafür daß es nur einen Sound drauf hat, sehr schwer. Mit einem stabilen Stahlrahmen für seine Orgeltastur, dem großen Netzteil und dazu das Holzgehäuse, machen aus der SOLINA kein transportfreundliches Instrument.

Hören kann man die SOLINA in vielen Produktionen der '70er. Neben Tomita und Vangelis benutzten auch Pink Floyd auf "shine on you crazy diamond" und "animals" oft das Stringkeyboard.





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5.1 Sound in Deutsch und English, Kommentarspur, Booklet, 104 Minuten
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Premiere: 2008
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