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VEB FILM Leipzig arrow Route 66 (2004)
Category >> Route 66

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Hardware
Zu den Musik- und Tonaufnahmen des Films „Route66 – ein amerikanischer Albtraum“ sind sowohl analoge, als auch digitale Synthesizer zum Einsatz gekommen. Die Tonspuren wurden jedoch, bis auf „Me and Marks over 7 Meadows“ (Filmszene: „chillen in der Wüste auf Ricks Farm“) –hier wurde eine 16-Spur Tascam Bandmaschine benutzt- am PC digital aufgezeichnet. D.h. sämtlich Instrumente gingen über ein Mischpult in die D/A Wandler (der Firma Marian, Leipzig) in den Rechner und wurden dann mit Programmen wie CREAMWARE TRIPLEDAT und MAGIXs Samplitude bearbeitet/gemixt.

Ich habe mich für die Soundkarten von MARIAN entschieden, weil diese eine ausgezeichnete Soundqualität und Dynamik bringen, ohne dabei jedwede Störgeräusche (Hintergrundrauschen o. ä.) zu erzeugen. Ich wandel meist mit 96khz, 24 bit. Da bleiben keine Fragen mehr offen. Billigkarten aus der Ramschkiste vom PC-Discounter bieten diese Feature nicht.
Das Zeugs von Marian ist aber immer noch sehr preiswert und bietet guten Support. Dass die Firma auch ihren Sitz in Leipzig hat, ist uns erst später aufgefallen, macht sie aber umso sympathischer ;o).

Ob es nun unbedingt HIGH End Wandler für 2000,- €/Stk von US-Edelschmieden sein muss? Dazu eine syngate-label-„sherlock-homes“ Anekdote:
Eine High END Audio US–Firma, die neben Wandlern der Ferrari–Preisklasse ebenso mit „ausgesuchten, handverlesenen CD-Rohlingen oberster Qualitätsgüte“ dealt und diese dann für richtig hohe Preise am Markt anbietet, ist durch Lothars überragenden Intellekt in Sachen CD Rohlinge auch nur als Warmduscher entlarvt worden. Ein PC-Programm ermöglicht den Hersteller und die genaue Fabrikatsbezeichnung eines Rohlings auszulesen. Ergebniss: US HIGH END Firma „Superteuer - aber mit uns werden Sie zum Star“ spezial handverlesen CD Rohling bedampft mit orignal Mondgestein und Marienblut = ALDI Rohling, VK 0,49 cent/Stk! Jo!

Software
Die Ansteuerung der MIDI-fähigen Instrumente erfolgte mit EMAGICs Logic 5.5.1.
MIDI ist eine seit 1983 implementierte digitale Schnittstelle zur Übertragung von Steuerdaten.
So ist es möglich, dass ein Programm die Synthesizer oder Drumcomputer ansteuert, während man dazu eine weitere Stimme einspielt. Dieses Programm ermöglicht auch, virtuelle Instrumente am PC selbst zu generieren. Einige davon sogar wirklich gut. Ein äquivalentes Programm zu Emagics LOGIC ist z. B. Steinbergs CUBASE.
Dieses Programm besitze ich auch, um es nach 5 Tagen Nutzung doch wieder in den Schrank gestellt zu haben. Im Vergleich zu LOGIC fehlten einfach einige wichtige Eigenschaften. Ich kenne unter meinen Musikerkollegen eigentlich nur einen, der dieses Programm benutzt. Das ist schon schlimm genug ;o). Ich habe immer wieder Stimmen gehört, die sagten: „CUBASE ist die Software für Heimmusikanten, Logic das für fette Produzenten!“ :o)
Es zeichnet sich aber ab, dass SAMPLITUDE wohl LOGIC bald verdrängen könnte. LOGIC wird nicht mehr für den PC weiterentwickelt (EMAGIC wurde von APPLE gekauft). Einen MAC zu kaufen, der die Performance hat die ich benötige, kommt erst nach so wichtigen Anschaffungen wie, Gardinen für unser VEB STUDIO in Leipzig, ein Handy dass NICHT bei jedem 3. Anruf abstürzt und einem JAGUAR E-Coupe von 1962, in Frage!

Unsere Studiotechnik
Die Synthesizer / Drummaschinen und Keyboards die momentan im Studio bei den VEB-Filmen zum Einsatz kommen und kamen:
MINIMOOG, ROLAND Jupiter 4, ROLAND Jupiter 6, ROLAND Juno 60, KORG Trident, ARP Solina String Ensemble, KORG Polysix, EMU Emax I, TECHNICS P30, KURZWEIL Micropiano, YAMAHA CS-30, YAMHA SK-30, YAMAHA SY-99, ROLAND SPD 11 Drumpad, YAMAHA RY-30 Drumcomputer, ROLAND TR 606 Drumcomputer, ROLAND TR 505 Drumcomputer, FENDER Stratocaster 57’er, FENDER JAZZ Bass sowie Hallgeräte und Echogeräte von Roland, Lexicon, Ibanez und Alesis. Ebenso einige Softwaregenerierte Synthesizer/Sampler von Native Instruments, Steinberg und EMAGIC.

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Der Anfang von Route 66 Der Film
Im Sommer 2002 habe ich in einem Cafe in Leipzig die „1. Betaversion“ des Buches von „Stefan Kluge – Route66 in einem 74er Cadillac“ auf Stefans Laptop vor die Nase gesetzt bekommen. „Klasse – da machen wir einen fetten Hollywoodschinken draus“, meine Antwort. Ein TV-taugliches Doku-Format von 42min sollte es dann werden.
Im Sommer 2003 trafen dann Mathias Eimann und Stefan Kluge bei mir in Aachen ein. Sie nisteten sich fest, beschlagten mein Studio, frassen mir den Kühlschrank leer und steckten sich das ein oder andere nützliche Teil in ihre Jacken ein…

Nach einigen Tagen war die 1. Szene im Kasten: NEW YORK CITY.
Vorgabe für die Musik war, ein etwas belangloser, beschwinglicher Sound, der verdeutlichen sollte: New York wird trotz seiner schwermütigen, tragischen Aura abgehandelt, wie eine kurze flüchtige Sightseeingtour. „Route66 …“ sollte kein sozialkritisches Werk mit Erklärungsversuchen, Mitleid und Tiefgang werden.
geplanter New York-Style: schnell rein, schnell raus, weiterfahren. Kein Drama. Einziges Atemanhalten = die Musik stoppt kurz, als die verzerrten Bilder vom 11.September eingeblendet werden

Nachdem der Style des Filmes festgelegt war und uns die Arbeitsweise „vom Bild - zum Sound - zum Film“ eigen wurde, arbeiteten wir räumlich getrennt weiter. Ich komponierte in Aachen, Stefan sichtet das Filmmaterial und schrieb das Szenebuch in Leipzig und Dresden.
Anfang 2004 kam Stefan wieder nach Aachen ins Studio. Der Film sollte in 14 Tagen fertig sein. Es kam aber anders: Das vorliegende Bildmaterial und unsere Ideen liessen es zu, dem klassischen DOKU-Style zugunsten eines psychedelischen Roaddramas den Rücken zuzuwenden. Aus der ursprünglich geplanten 42min Kurzdoku wurde dann die 103 min Spielfilmversion. Aus veranschlagten 14 Tagen Produktiondauer wurden 3 Monate, ohne Unterbrechung, 15 Stunden am Tag.

Sounddesign
Musikalisch bekam ich weitgehend freie Hand. Das ging dann in etwa so: Stefan: „Hierhin muss was elektronisch-kühles. Mach mal!“ Toll, das sind die Aussagen die ein Filmkomponist zu wahrlich großen Taten führt. Also setzte ich mich an die Synthesizer, ans Klavier oder (zum Schrecken Stefans) an die Orgel. Stefan: „Scheisse Mann, du klingst wie Helge Schneider auf EXTASY!“
Meist konnten wir uns schnell auf einen Sound, auf einen Rhythmus oder Verlauf der Musik einigen. Hin und wieder brauchte aber auch Stefan mehrere Nächte, bis ihm die Musik eigen wurde. Aus: „Du dumme Sau, dieser klerikale Quatsch haut mich nicht vom Hocker!“ wurde dann hin und wieder: „Mann ist das geil! Gott spricht durch dich!“ Oft vergaß er dabei seine niederschmetternde Kritik vom Vortag, betreffend jenes Musikstücks.

Zwischenmenschliches
Wenn man von morgens 9.00 bis nachts um 2.00 Uhr, Wochenlang nebeneinander sitzt, bekommt die zwischenmenschliche Umgehensweise miteinander groteske Züge. Es fällt kaum noch ein freundliches Wort. Es werden Filmgrößen zitiert, besonders dann, wenn sie verbal ausfallend waren. Grosspolitische Visionen haben wir bei PIZZA Salami und Afri Cola ausformuliert und es wurde immer wieder die eigene Männlichkeit lobend hervorgehoben. Ich denke, Außenstehende haben in dieser Zeit öfters mit dem Gedanken gespielt, den hiesigen Amtsarzt zu informieren.

5.1 Abmischung
Nach ca. 10 Wochen waren die Songs eingespielt und den Filmszenen angepasst. Der Film im Rohcut fertiggestellt.
Die 5.1 Abmischung erwies sich als sehr zeitraubend. Die Software, egal ob die für den Sound oder den Filmschnitt, war mit der anfallenden Datenmenge überfordert. Updates und Geduld waren die einzigen „Rettungsanker“. Das Bildmaterial setzt sich aus 20.000 Elementen zusammen (Effekte, Blendungen, Schnitte), die Musik und der Sound aus bis zu 30 Spuren. Bei einer Projektlänge von 104 min winkte dann gerne die Software ab. Ätzend!!
Die 5.1 Mischung die ich von den DVDs der Hollywood Filme kenne, finde ich sehr, sehr zahm. „Route66...“ sollte da mutiger zur Sache gehen. Also Konsumer 5.1 Anlagen beschafft (Studioboxen haben nun mal die wenigsten zuhause) und dann eine richtige „Männerabmischung“ fertiggestellt. Interessant sowie erschreckend ist die Tatsache, dass Extremabmischungen sich auch extrem anders auf den jeweiligen Fabrikaten bemerkbar machen.

Urheberrecht
Die drei eigentlich recht sympathischen Ossi-Jungens, die bei ihrem „Stolpern durch die USA“ keinerlei Gedanken an den Sound verschwendet haben, machten die Sache damit nicht gerade einfacher.
Oft dudelte im Hintergrund aus irgendeinem Radio Musik. Ich sage nur: Urheberrecht, Anwälte, Knast und exorbitante Geldstrafen! Also raus mit dem Mist und nachvertonen.
Wo bekommt man einen Cadillac-Sound, ein authentisches Türenknallen, eine Cessna, welche sich anhört, als ob sie zum Angriff auf Feldhamster ansetzt....usw. her? Also mit dem Mikro und dem DAT-Recorder raus in die bürgerliche Kaiserstadt und den RECORD-Button gedrückt halten. Das Cadi-Fahrgeräusch z. B. ist ein alter VW Bulli Diesel bei Tempo 70km/h … :O)

Die Musik, die man nun überall im Hintergrund dudeln hört (bei Mc Donalds, im Burger King ect.), ist alles gemafreies VALLEYFORGE Zeugs – ALLES!
Besonders dämlich erwies sich die Stelle, an der Stefan den ALEX aus Amarillo über die Cadillac-Ranch befragt und von diesem dabei irgendeinen Stuss von einem PHANTOM DOG verklickert bekommt. Hier lief im Autoradio ein Jammersong von MOBY.
Also riefen wir MOBYs Verlag in Berlin an. Eine wahrscheinlich 20 jährige Praktikantin mit Hauptschulabschluss Abendschule, Notendurchschnitt 4,3, hochnäsiger als das gesamte britische Königshaus, teilte uns mit einer süffisanten Stimme ihre Einschätzung der Lage mit. Toll, auf so ne "Perle" hatten wir ein Leben lang gewartet!
Mobys Plattenfirma war da schon sachlicher, faselte aber was von 3.500 Euro, 6wöchiger Bedenkzeit und einer extrem eingeschränkten Verbreitung des Filmmaterials. Und das für 50 Sekunden von Wind und Außengeräuschen verdecktes, kaum zu identifizierendes Gedudel des New Yorker Ausnahmemusikers…
Stefan und ich schauten uns an: „Hau weg den MOBY-Scheiß, Tonmann!“ „Jawoll, mein Produzent!“ schrie ich, wie ein deutscher Landser beim Appell.

Synchronisation
Wie synchronisiert man einen texanischen Kerl, der nicht mehr alle Tassen im Schrank hat? Ich, mit meinem Köln–Aachener Deppendialekt, der sich anhört wie ein stark angetrunkener, durchs Hartz4 Raster gefallener Müllkippenvorarbeiter? Stefan, mit der etwas verschlafenen, stark mitteldeutsch akzentuierten Stimme, inklusive Hang zum Sprachfehler? Och nee … das wäre Slapstick vom Niveau „WDR Fernsehen – Fakten, Hintergründe, Neuigkeiten“
Da half uns schließlich mein belgischer Musikerkollege GODFRID STOCKMAN. Ein belgischer Akzent ist glaubwürdig. Für uns jedenfalls.
Danke an Godfrid!

Nun da wir sehr viel O-Ton konstruieren mussten, gefiel uns die Idee verschiedene RADIO Sender zu kreieren. Ja sogar soweit, dass diese dem Streifen so etwas wie eine versteckte Message mit auf den Weg geben könnten.
Stefan „erfand“ unsere 3 heimlichen Hauptdarsteller – analog zu den drei realen Abenteurern:
Brother Abraham – (Radio Wave Emotion) der Prediger. Segnet die "Pilgerfahrt" der Jungs, von Washington zum San Diego Airport, bis sich herausstellt, dass er weltliche Interessen hegt. Er ist Anteilseigner des San Diego International Airports und setzt sich unter göttlichem Vorwand fuer seinen Geldbeutel ein.
Jack Manson (Radio V-Rock). Der Redneck unter den Radiosprechern. Militant, latent einwanderfeindlich und ein Musterbeispiel eines arroganten Vertreters der Plattenindustrie. Natürlich Mitglied der National Rifle Association.
Fernando Martinez (Radio Dio Texas) - der naive Einwanderer. Schlecht informiert und grundsympatisch.

Einige E-Gitarren Passagen übernahm der Musiker maxxess (Max Schiefele). Mein Gitarrenspiel verdient maximal die Note 5-. Deshalb hätten z. B. die Gitarrenpassagen an der Tanke, oder die Country-Einlagen während einiger Fahrtszenen das Erscheinen des Filmes um mindestens 8 Jahre verzögert.
Dank an Max!

Die Erzählerstimme übernahm Stefan. Nicht aus der Not heraus, sondern aus meiner Einschätzung gegenüber des Charakters und der Glaubwürdigkeit des Filmes.
Während meiner Arbeit in meinem Tonstudio seit 1993 habe ich Sprachaufnahmen mit professionellen Sprechern (bekannte Stimmen aus Funk und TV) durchgeführt. Klar die klingen amtlich, wie z. B. nach „BIG MAC, jetzt nur für 1,99“ oder „die neue S-Klasse nun auch endlich in SILBER bei Ihrem freundlichen MB–Händler!“ ... nee nix für unseren Film.

Soundtrack
Für den Film „Route 66…“ habe ich, bis auf einen Song („Leaving to Nothing“ von 1995 ), alle Songs neu komponiert, arrangiert und eingespielt.
Für den CD-Soundtrack sind die Songs umarrangiert, neu eingespielt und abgemischt.

Ich wünsch euch viel Spaß beim Sehen und Hören des Films "Route 66 - ein amerikanischer albTraum"

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Erste Begegnungen
11 Jahre klassisches Klavier hatte ich nun hinter mir. MOZART, BACH , CLEMENTI und noch ein paar andere Knallköppe, die mir mit ihren grenzdebilen Klein-Sonaten die Kindheit verdorben hatten, standen im krassen Gegensatz zu meinen damaligen Interessen: englische Sportwagen, amerikanische Maschinengewehre, langbeinige Mädchen und ROCK!

Wie eine Himmelsfügung empfand ich deshalb den mittelprächtigen Wohnungsbrand, der mir mein PIANO der Marke „Nussbraun, dunkel“ damals hinwegfegte. Mit frischer Kohle ausgestattet, begab ich mich also kurze Zeit später in die Musikgeschäfte der nächstgelegenen Großstadt, um etwas mehr von den sagenumwobenen, elektronischen Tasteninstrumenten, genannt: "Synthesizer", zu erfahren.

Am Rande möchte ich erwähnen, um 1980 legten die meisten Geschäftsleute eine etwas strenge oder auch unfreundliche Art an den Tag. Dazu gesellte sich die ohnehin ausgeprägte „Muffigkeit“ des Rheinländers im Allgemeinen. Vielleicht, so meine Theorie, ist das darauf zurückzuführen, dass eben jene Mitvierziger, autoritär aufgezogen von Trümmerfrauen, durch Armut und Entbehrungen der Nachkriegsjahre geprägt waren. Tja, und das knallte mir nun voll entgegen.

Das lief dann in etwa so ab:

Tom: „Tach, ich interessiere mich für nen Synthesizer!“
Verkäufer: „Hier, das kann ich dir empfehlen, klingt super. Nimmste es gleich mit?“
Tom: „Ähh, das ist aber ne alte Orgel. Sowas will ich nicht!“
Verkäufer: „Was anderes haben wir nicht und was anderes gibt es auch nicht. Komm wieder, wenn du weißt was du willst!“
Oder so
Tom: „Den Yamaha Synthi da drüben, kann ich den mal antesten? Ich suche schöne weiche Sounds.“
Verkäufer: „Nein, ich weiss nicht wie der funktioniert und mein Mitarbeiter kommt erst um 3 Uhr wieder zurück. Der kennt sich damit aus, aber der Synthesizer funktioniert. Nimmst du ihn gleich mit ?“
Tom: „Ähhhhh. Nein. Ich komm dann um 3 Uhr nochmal wieder!“
… Um 3 wieder zurück und nach dem „Mitarbeiter“ fragend, wusste niemand mehr was von eben einem solchen und auch sonst erinnert man sich an gar nix.

Die ersten Käufe
Es lief also letztendlich darauf hinaus, dass ich irgendeinen Musikladen mit einer alten Orgel, einem ziemlich mies klingenden E-Piano und einem „dazugehörigen“ Gitarrenverstärker unter dem Arm verliess. Knapp 6.500 Deutsche Mark ärmer.
„Klasse“, dachte ich, „jetzt kann ich in ein paar Monaten bei PINK FLOYD einsteigen!“
Nach einer handvoll Sessions, stampfte ich zurück ins Musikgeschäft und versuchte den gekauften Mist gegen was amtliches einzutauschen. Tja, da hatte ich aber die Rechnung ohne die Brut der Trümmerfrauen gemacht. Aus die Maus. Kohle weg. Abhaken unter „Lebenserfahrungen“!
Die Orgel landete auf den Sperrmüll, das Piano wurde entkernt und in Einzelteilen verkloppt. Einzig der Gitarrenverstärker liess sich auf dem freien Markt platzieren.

Mit frischen Moneten von Muttis Prämiensparbuch wieder zurück ins… na, ratet mal… jo , richtig, zu den Experten des Musikalieneinzelhandels.
Mittlerweile hatte ich mir auch ein fundamentiertes Halbwissen über die damals gängige Fachpresse angeeignet, was ein Synthesizer eigentlich ist, und wie so 'ne Kiste auch aussieht. Und da standen sie: KORG PS 3100 und KORG TRIDENT. Amen!

Der Typ der Synthiabteilung (wahrscheinlich ein RAF Sympathisant und an jedem freien Wochenende zum Zelten in Wackersdorf) stöpselte also nun 20 min an dem PS 3100 halbmodularen Synthesizer rum, um mir dann einen etwas enttäuschenden Streichersound in C-DUR vorzuführen. Aber trotzdem, ich war auf dem richtigen Weg.
Allein die ganzen Knöpfe und Schalter der Kisten. Wow, war das endgeil. Jetzt sah ich mich schon auf den großen Bühnen der Welt.
Der KORG TRIDENT. Frisch eingetroffen. 7.200,- DM. Fast soviel wie ein flammneuer OPEL Kadett.
Tom: „ Kann der auch Chöre?“ ..das war eine Frage die saß. Präzise, direkt, fundamentiert! Ich weiss nicht wieso, aber ich wollte Chöre. Streicher und Chöre.
Oweia. Die RAF-Tüte setzte ich vor das Gerät und drehte an Potis und drückte leuchtende Buttons, aber nicht ein Fünkchen eines Chores weit und breit. RAF-Tüte: „So hier ist dein Chor!“
Ich schaute den Typen an, als ob der mich nach 'nem Urinal mit USB2 Anschluss gefragt hätte. Tom: „Hää? Wo?“ Die Visionen der Weltbühnen verschleierten sich… keine Chöre = keine goldenen Platten.
Mit gesengtem Haupt fuhr ich heim.

Die Frankfurter Musikmesse
Die Monate gingen ins Land. Ich wurde reifer und las 'ne Menge Testberichte, Messeberichte, Produktanzeigen. Meine Vorliebe für Chöre drängte etwas in den Hintergrund. Immerhin Glocken waren ja auch cool und das konnten einige Keyboards auch!
Vor der finalen Kaufentscheidung machte ich aber das, was alle erfolgreichen Musiker tun: Ich besuchte die weltgrößte Fachmesse für Musikinstrumente in Frankfurt!
Das war fett. Für 102,- DM ein Fahrschein der Deutschen Bundesbahn erworben, um dann per D-ZUG die 270km nach Frankfurt in ca. 18 Stunden zurückzulegen. Und da war ich. Mittendrin statt nur dabei. Synthesizer bis zum Abwinken. Bildhübsche Hostessen, die meine Fragen nach Oszillatoren und Filtergüte nur mit einem verschämten Lächeln beantworteten. Das war wahre Kundenbetreuung.
Jupiter 6, Jupiter 8, ELKA Synthex, Oberheim, PPG , Rhodes Chroma.. . Wow das war besser als die Taufe und Kommunion zusammen. Das war das Paradies… Scheiss auf die Orgeln und Klaviere. Jo, und einige Verwirrte testeten sogar Flöten an. So richtige, aus Holz, die man in die Gusche steckt. Krass! Waren die bescheuert. Wer braucht heutzutage noch ’ne Flöte?

Der erste eigene Synthi
Besoffen von den Eindrücken der Messe ging ich einkaufen. Roland JX-3P! Sah bescheuert aus das Teil, konnte aber Glocken …und Streicher! 2.590,- DM und das Ding war meins.
Kopfschüttelnd registrierten meine Verwandten und die „älteren“ Semester (unter den bei uns ein- und ausgehenden Besuchern) meine Programmiersession: Helikoptersounds, Wind, Grummeln und Glocken.
Mutti: „Und dafür habe ich dir 11 Jahre Klavierunterricht bezahlt?“ Das musste ich mir ca. 3000 mal anhören.

Mit der Zeit langweilte mich die Kiste. Es musste etwas Neues her…. Der Wahnsinn ging in die Hauptrunde!
Es kamen und gingen:
Roland JX-3P, Roland Juno 106, Sequential T8, Rhodes Chroma, Moog Prodigy, Roland SH-09, Roland SH-7, KORG BX-3, YAMAHA TX-7, Roland MK700, OBERHEIM Matrix6, EMU EMAX2, EMU EMULATOR4, KORG Polysix, KORG Symphony
Und es blieben:
KORG Trident, MOOG Minimoog, Roland Jupiter 6, Roland JUNO 60, ARP Solina String Ensemble, Technics P30, Yamaha CS 30, Roland Jupiter 4, YAMAHA SK-30, EMU Emax HD und noch eine handvoll Klangerzeuger und Drumcomputer.

Angekommen im VEB-Film-Leipzig-Zeitalter
Die eine oder andere Kiste steht auch noch auf meinem Wunschzettel. Wer aber lesen kann und sich den VEB Kontostand anschaut, weiß, dass es zur Zeit maximal für ne versiffte Blockflöte aus dem polnischen Carepaket reicht.
Egal, es geht weiter. So wie damals, als ich mir die Scheissorgel andrehen liess.





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